Bei dem trüben, nasskaltem und windigen Tagen, habe ich mal nachgedacht, wann meine ersten Erinnerungen an Heiligabend einsetzten. Das war im Jahr 1945 als wir endlich nach der Flucht aus Polen, mit dem Pferdetreck in einem Auffanglager landeten.

Die Lager waren nicht so komfortabel wie sie heute den Flüchtlingen angeboten werden. In schnell zusammen gezimmerten Holzbaracken lagen wir wie die die Heringe dicht an dicht auf Stroh, das man eiligst herbei geschafft hatte. Man muß sich das so vorstellen, die Baracken waren ca. 25-30 lang, hatten einen Mittelgang und rechts und links waren die Schlafstätten, es gab keine Privatatmosphäre. Man versuchte mit Koffern, falls man welche hatte, wenigstens zum Nachbarn ein wenig Abstand zu halten. Essen gab es im Blechgeschirr aus einer Küche, die ebenfalls in einer "Kochbaracke" untergebracht war. Wenn es Essen gab, dann fuhr der Essenswagen durch den Mittelgang und jeder hielt sein Geschirr bereit. Es gab überwiegend Steckrüben dick mit Graupen gekocht. Wie lange wir dort waren, weiß ich nicht mehr, aber dass wir dort ein Weihnachten verbrachten, das weiß ich noch. Es wurde ein großer Tannenbaum in den Mittelgang gestellt, natürlich ohne Kerzen, wäre viel zu gefährlich gewesen. Geschmückt wurde der mit dem was jeder so beitragen konnte, aus Papier klebten wir Ketten zusammen die über den Baum verteilt wurden. Kleine Wattebäusche sollten Schnee darstellen. Wenn ich sagte klebten, dann war es eine Mehlpampe, irgend jemand hatte Mehl ergattert. Die größte Überraschung war folgende Ankündigung:" An alle Kinder: Der Weihnachtsmann kommt und hat für jedes Kind etwas dabei," Jubel brach aus, alle waren gespannt. Dann war es soweit, polternd und schnaufend kam der Weihnachtsmann mit Helfern und überreichte jedem Kind bis zu 10 Jahren einen Baukasten, egal ob Junge oder Mädchen. Es war kein gewöhnlicher Baukasten, die Bauklötze waren aus Sandstein, bunt angemalt und wunderschön. Nachdem alle ihren Kasten hatten, die älteren Kinder bekamen glaube ich, Buntstifte und einen Malblock, wurden noch Wehnachtslieder gesungen. Einige hatten Mundharmonikas, andere nahmen Kämme, streiften ein Stück Papier darüber und summten die Melodien mit, es war für uns Kinder überwältigend, so viele Stimmen und so wunderbare Lieder. Damals kannte man nicht nur die erste Strophe eines Liedes, man kannte alle. Fast vergessen hätte ich noch, ein paar Äpfel gab es auch, ein paar Lebkuchen und das für Groß und Klein. Danach wurde gebaut, man hütete die Klötzchen, keines durfte verloren gehen, am Anschluss wurden sie alle wieder in den Kasten zurück beordert, was nicht so einfach war, alles mußte genau passen. Ja, an dieses Weihnachtsfest kann ich mich noch gut erinnern. Vor einigen Jahren fand ich auf einem Flohmarkt so einen wertvollen Baukasten wieder, wo meiner geblieben ist, weiß ich nicht mehr, aber er wäre ein kleines Vermögen wert.

Macht es euch noch gemütlich, es gibt nur noch wenige Stunden, dann kommt schon wieder das nächste Ereignis, Sylvester.